Frei zugänglich für jedermann?

07 Dec 2008

Diese Woche hat das deutsche Bundesarchiv etwas sehr löbliches gemacht. Es hat 100.000 Bilder an die Wikipedia gespendet. Es ist sogar angedacht, weitere hunderttausende Bilder an die Wikipedia zu transferieren. Leider sind die Bilder max. 800 Pixel groß. Dafür dann aber unter der "Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 Germany License". Einer sehr freien Lizenz.

Es gibt schon eine sehr große Menge an freien Inhalten im Netz. Zum Beispiel im Internet Archive. Dort gibt es neben der allseits bekanten "Wayback Machine" einen hübschen Fundus an Büchern, Audio-Dateien und Filmen. Zum Beispiel scannt das Archive mit der Hilfe von Amerikanischen Bibliotheken alte Bücher und stellt diese online. Ein Präsentation von Brewseter Kahle erklärt dabei den Hintergrund des Archives.

Ziel des Archives ist es, eine große Menge an freien Inhalten zu generieren. Es gibt nichts schlimmeres, als alles unter das Copyright zu stellen. Copyright ist wichtig, allerdings gilt es, einen guten Kompromiss zu finden zwischen Urheberrecht und dem kulturellen Bedürfnis, die Inhalte mit anderen zu teilen. Die Märchen der Gebrüder Grimm können zum Glück frei erzählt und variiert werden. Und warum ist das so? Das Urheberrecht hat eine Verfallsgrenze. Ab einem bestimmten Alter des Inhaltes oder des Todes des Autors kann frei über dessen Schaffen verfügt werden.

In den USA ist das leider durch den "Mickey Mouse"-Paragraphen ad absurdum geführt worden. Dieses Gesetz hat das Verfallsalter nach oben gesetzt. Warum? Weil unter anderem Mickey Mouse so alt gewesen wäre, das er nicht mehr unter dem Copyright von Disney gestanden hätte. Anstatt dies zu akzeptieren, hat man sich dafür entschieden, das Alter einfach nach oben zu setzen.

Die Argumentation dafür ist etwas scheinheilig. Die Erben sollen doch auch noch was von dem Erfinderreichtum ds Vaters haben oder noch besser: nach 50 Jahren verliert der Autor plötzlich das Copyright und steht dann ohne Mittel da. Beides zählt für mich nicht. Die Erben sollen gefälligst selber mal was auf die Beine stellen. Und ein Autor könnte sich ja 50 Jahre lang mal ein paar Rücklagen bilden. Das muss ich jedenfalls auch tun wink .

Natürlich müssen Firmen in der Lage sein, Geld mit den eigenen Inhalten zu erwirtschaften. Das ist unstrittig. Nur muss man den Kompromiss des Verfallsdatums akzeptieren. Ansonsten hätten wir in 50 Jahren alles im Besitzt von einigen wenigen Firmen. Variationen von Themen wie zum Beispiel Romeo und Julia wäre sonst nicht möglich. Und genau davon profitieren ja gerade diese Firmen. Wer sich an freien Inhalten bedient, muss auch selber seine Inhalte irgendwann freigeben smile .

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Inhalte, die 100% durch Geld des Volkes erzeugt worden sind, also durch Steuern, GEZ* oder sonstwas, sollten auch frei dem Volk zugänglich sein. Arbeiten an Universitäten sollten nicht nur gegen Bezahlung einsehbar sein. Wissenschaftliche Forschungen, durch die Medikamente gefunden worden sind, sollten von allen frei genutzt werden können. Sendungen, die durch die ARD und ZDF produziert worden sind, sollten frei kopierbar sein und auch länger als 7 Tage im Netz stehen. Am besten unter der CC-SA, wie es das Bundesarchiv vorgemacht hat. Das ist natürlich einfach dahin geschrieben. Es gibt da sehr viele komplizierte Verwickelungen mit der Wirtschaft und anderen Ländern. Co-Produktionen von Filmen kann man nicht einfach "frei" machen, da nur ein Teil vom Volk direkt bezahlt worden ist. Aber da findet sich bestimmt ein guter Kompromiss. Ein Anfang wäre ja schon, die Tagesschau und das Heute Journal unter CC-SA zu stellen und ein komplettes Archiv seit Beginn der Tagesschau zur Verfügung zu stellen. Das alleine würde schon so manche Abende füllen, da "durch die Zeit zu zappen".

*) Die GEZ-Gebühr deckt nur einen Teil der Sendekosten, es kommt noch der Werbeetat dazu. Aber ich bin da eher für eine Abgabe für jeden Lohnsteuerzahler und ein Werbeverbot auf den Sendern der Öffentlich Rechtlichen. Die GEZ-"Behörde" ist mir ein echtes Dorn im Auge wink .

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